Wer am Reuterhaus vorbeigeht, der begegnet Menschen vieler
Nationalitäten – Alleinstehende, Familien mit Kindern unterschiedlichen
Alters, auch Kranken und Menschen mit Behinderungen. Das
Zusammenleben in diesem Haus funktioniert trotz der oft
unterschiedlichen Kulturen gut. Doch niemand ahnt, mit welchen Fragen
und Probleme sich diese Menschen auseinandersetzen müssen.
Immer wieder erleben sie, dass sie monatelang auf Sozialleistungen
warten, weil die Bearbeitungszeit so lang ist. Doch wovon sollen sie sich
eine Fahrkarte kaufen, wenn sie sich bei einem Arbeitgeber vorstellen
wollen? Sie haben keine Reserven. Der Gang zum Arzt ist problematisch,
wenn kein Leistungsbescheid vorliegt – und Medikamente gibt es dann
auch nicht.
Ist es nicht verrückt, dass sie, wenn sie glücklicherweise eine Wohnung
gefunden haben, die Miete nicht bezahlen können, weil die
Grundsicherung noch nicht berechnet ist?
Es gibt auch gute Nachrichten: Familien, die durch einen Wohnungsbrand
in Würzburg obdachlos wurden, konnten im Reuterhaus eine
vorübergehende Bleibe finden.
Bei den regelmäßigen Kontakten erlebe ich eine große Freundlichkeit und
viel Geduld – dazu tragen auch die Sozialarbeiter bei, die sich sehr
engagiert um die ihnen Anvertrauten kümmern.
Toni Barthel, Diakon

